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[ U-Bahn-Archiv / U-Bahn-Geschichte(n) / Biographien / Alfred Grenander]

Professor Grenander

Die Fahrt, 3. Jahrgang, Nr. 16 (15. August 1931), S. 301-302




Aus der Gedenktafel im Bahnhof Klosterstrasse.
Modell von Professor August Vogel 1913.

Nachruf für Professor Grenander

Professor Grenander, seit 1900 für die Bauten der Berliner Schnellbahnen als Architekt tätig, verschied am 14. Juli im Alter von 68 Jahren. Wir bringen die Abschiedsworte, die ihm Geheimrat Wittig bei der Trauerfeier im Krematorium Wilmersdorf widmete.

Ein reiches, glückliches Künstlerleben ist mit Alfred Grenander dahingegangen; selten reich und inhaltsvoll durch die Vielseitigkeit der Aufgaben, die an ihn im Laufe der Jahre herangetreten sind und die er mit Meisterschaft gelöst hat.

In Verbindung mit seinem Lehramt an den Staatskunstschulen für Architektur und Kunstgewerbe hat er als ausführender Baukünstler eine ausgedehnte Tätigkeit entfaltet; eine grosse Reihe von Privatbauten und öffentlichen Bauten zeugt von seinem regen architektonischen Schaffen.

In den letzten Jahrzehnten hat er wohl den grössten Teil seiner Arbeitskraft den Bauten der Berliner Hoch- und Untergrundbahnen gewidmet. Bei diesen Verkehrsanlagen handelte es sich darum, die Werke des Ingenieurs über den Charakter des eigentlichen Nutzbaues hinaus zu einer baukünstlerisch befriedigenden Wirkung zu erheben. Eine solche Art der Betätigung entsprach ganz Grenanders Kunstrichtung; schlicht zurückhaltend, aber wahr und rein, wie seine Persönlichkeit, war auch die Sprache seiner Kunst.

Nicht auf Schmuck und Aeusserlichkeiten kam es bei diesen Aufgaben an; es handelte sich viel mehr darum, das Wesen der Bauwerke im ganzen und in ihren Teilen zu erfassen und im engsten Zusammenwirken mit dem Ingenieur in strenger Sachlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Dieses Zusammenwirken war durch die Freundschaft, die sich mit den führenden Ingenieuren entwickelte, ein geradezu vorbildliches. An den fertigen Werken war kaum zu erkennen, inwieweit der Ingenieur die Arbeiten des Architekten und der Architekt die des Ingenieurs beeinflusst hat.

Grenander hat die Verwirklichung seiner Entwürfe bis zum Schluss erlebt; er sah bei dem allmählich fortschreitenden Ausbau der Berliner Schnellbahnen immer von neuem, wie seine Gedanken in Stein und Eisen bleibende Gestalt gewannen; so in früheren Jahren bei dem Bahnhof Wittenbergplatz mit seiner eindrucksvollen Eingangshalle, bei Vollendung des Kreuzungsbahnhofs Hermannplatz und bei der Erweiterung des Bahnhofs Nollendorfplatz mit der Gedenkhalle für die im Weltkriege Gefallenen, zuletzt im Dezember vorigen Jahres bei der Einweihung des grossen unterirdischen Bahnhofs Alexanderplatz.

Es ist schmerzlich, dass er nun so bald aus seinem Wirkungskreis scheiden musste, aber sein Name lebt in seinen Werken weiter. Allein 70 Bahnhöfen der Hoch- und Untergrundbahnen hat er ihr künstlerisches Gepräge gegeben, und für alle, die das Entstehen dieser Bauten aus eigener Anschauung verfolgt haben oder sie aus Veröffentlichungen kennen und in Zukunft kennen lernen werden, wird der Name Grenander unzertrennlich mit dem Gelingen dieser Werke verknüpft bleiben.

So sei ihm nun in dieser feierlichen Abschiedsstunde noch einmal für seine hingebende Mitwirkung an den Aufgaben der Berliner Verkehrsbauten im Namen der beteiligten Gesellschaften aufrichtiger Dank dargebracht.


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